Blick in die Alte Brauerei | RP ONLINE

Von: JAN POPP-SEWING | 06.02.2009

Meerbusch (RP) Die Arbeiten im Osterather Bacher-Gebäude gehen voran. Dort entsteht ein Büromöbel-Ausstellungshaus. Der gewerbliche Charakter des Baus soll dabei unterstrichen werden. Die RP konnte die Baustelle besichtigen.

Unter lautem Krachen rutscht eine Ladung Schutt in den Container im Hof der Alten Brauerei, der danach ein paar Sekunden lang in feinen Staub gehüllt ist. Die Arbeiten im Osterather Gebäude von circa 1890 gehen voran. Anfang des kommenden Jahres will die Inwerk-Gruppe (bislang Moerser Straße) dort einziehen und in dem Bau auf 2500 Quadratmetern ein Ausstellungshaus für gehobene Büromöbel einrichten. Vorbild ist das Düsseldorfer Stilwerk. Der Umbau kostet die eigens gegründete Projektgesellschaft Alte Brauerei zwei bis drei Millionen Euro.

"Die Räume sind schon eine Herausforderung", sagt Architekt Jan Sternel von Rheinschiene Architekten. Die vorherigen Nutzungen (Brauerei, Getränkehandel und Asylbewerberheim) haben Spuren hinterlassen. Durchgängig ebene Bodenflächen sind selten, statt dessen finden sich reichlich gemauerte Podeste und Arbeitplattformen, mittig platzierte Stahlsäulen, eine riesige Gärwanne und niedrige Bierkeller mit extra-dicken Mauern.

Alte Bacher-Brauerei

Lage Krefelder Straße 78-82 in Osterath

Baujahr 1887-99, im Krieg nicht zerstört, nach dem Krieg mehrere Aus- und Umbauten.

Besitzer Bis 1979 Firma Bacher. Anfangs wurde das Gebäude als Brauerei genutzt, nach 1930 wurde es zum Getränkehandel. 1979 zog Bacher nach Krefeld. Eigentümer 1980 bis 2008: Stadt Meerbusch (zeitweise Nutzung als Asylbewerberheim). 2008 Kauf durch Projektgesellschaft Alte Brauerei für ca. 425 000 Euro.

Der Clou des Umbaus: Der Charakter des Gewerbebaus soll erhalten und sogar betont werden. Die eigenwilligen Plattformen werden nicht herausgerissen, sondern in die künftigen Showrooms großer Büromöbelhersteller integriert. "So besteht die Möglichkeit, Möbel auf mehreren Ebenen zu präsentieren", sagt Jens Hohenbild, Geschäftsführender Gesellschafter der Projektgesellschaft. "Es entsteht ein Spannungsfeld", meint der Architekt. Schon jetzt ist klar: Die Räume werden groß wirken. Da es keinen Dachboden geben soll, wird man in den obersten Schauräumen ins Gebälk der darüberliegenden Dachkonstruktion schauen können. Das alte Ziegelmauerwerk der Innenwände soll nicht übertüncht, sondern freigelegt werden. Die Fenster, die den Brauern spärliches Licht spendeten, werden nun teilweise bis zum Fußboden verlängert. Nur Teile, die absolut nicht nutzbar sind, wie die zum Kopf-Einziehen zwingenden Lagerräume und die Gärwanne, werden ab- bzw. herausgerissen.

Mit der Fassade, die schon für Denkmalschutz in Betracht kam, gehen die Investoren ähnlich behutsam um. Sie wird zunächst saniert (noch zeigen sich an einigen stellen tiefe Risse). Als Neubauten sollen sich ein Foyer und links darüber ein verglaster Gang in Höhe des zweiten Stocks anschließen. Der Eingang wird von der Straßenseite "um die Ecke" verschoben. Und zwar zur Seite des Gebäudes, die an den benachbarten Baumarkt grenzt. Das heutige Kontor soll zum Gästehaus werden. Neben dem Glasgang bekommt der Bau einen zweiten modernen Akzent: Über dem Foyer ist ein rotbraun gestrichener Kubus mit großem Fenster geplant – zur Straßenseite hin soll er den Schriftzug "Alte Brauerei – Forum für Bürokultur" tragen. Nach Alter Seilerei und Altem Bahnhof wäre dann auch wieder Leben in Osteraths drittem Bau aus der Zeit der Industrialisierung.