Industrie-Ambiente erhalten | RP ONLINE

Von: JAN POPP-SEWING | 21.04.2010

Meerbusch (RP) Für drei Millionen Euro entsteht in der ehemaligen Bacher-Brauerei in Osterath Deutschlands größtes Büromöbel-Ausstellungshaus. Am 1. Juli soll Eröffnung gefeiert werden.

Die dicken Mauern der Alten Bacher-Brauerei haben schon viel gesehen: Zur Kaiserzeit gärte dort Gerstensaft in bauchigen Bottichen, nach 1930 lagerten jahrezehntelang Bierfässer in niedrigen, kühlen Kellern. Nach 1980 brachte Meerbusch Asylbewerber in dem Osterather Backsteinbau unter. Nun beginnt ein neues Kapitel: Ab Juli sollen hochwertige Büromöbel vor zum Teil unverputzten Backsteinwänden auf Kundschaft warten.

2008 hat die eigens gegründete Projektgesellschaft Alte Brauerei den fünfstöckigen Bau von der Stadt gekauft und kernsaniert. Theoretisch hätte man das historische Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht, größtenteils einreißen und durch die heute übliche Beton-Stahl-Glas-Architektur ersetzen können. "Wir wollten aber lieber das industrielle Ambiente der Alten Brauerei erhalten", sagt Gesellschafter Jens Hohenbild. Die Investoren werden am Ende rund drei Millionen Euro in die Renovierung des Objekts gesteckt haben. Das Ergebnis ist eine Kombination aus altem, dunkelrotem Backsteinmauerwerk und modernen hellen Betonelementen, etwa an den Türdurchgängen. Diverse neue Fenster wurden in die Wände gebrochen, die Decke des niedrigen Fasskellers herausgerissen, und auch der Blick von unten in die Dachkonstruktion ermöglicht.

Entstanden sind hohe Räume, die den Charme des Industriezeitalters ausstrahlen. Lediglich das Foyer haben die Düsseldorfer Architekten Jan Sternel und Ralf Tüllmann puristisch-modern gestaltet, dort herrschen Glas und Sichtbeton vor. Das Objekt könnte Vorbild für die Sanierung anderer historischer Industriekultur-Bauten werden, meint nicht nur Hohenbild.

Das Konzept zieht offenbar bei den künftigen Mietern: Auf 3500 Quadratmetern sollen zehn führende europäische Büromöbelhersteller ihre Produkte präsentieren. Auch die Hohenbilds Inwerk-Gruppe (bislang Moerser Straße) zieht ein. "Wir haben bereits alle Flächen vermietet", sagt der Gesellschafter. Es werde an der Krefelder Straße allerdings keinen Einzelverkauf und dementsprechend keine großen Möbellager geben. Kunden können die gewünschte Büroausstattung bestellen.

Das Angebot richtet sich an Fachpublikum, aber Hohenbild rechnet damit, dass sich auch viele architektonisch und historisch interessierte Bürger den Komplex werden ansehen wollen, was selbstverständlich möglich sei.

Parkplätze werden hinter das Gebäude gelegt, der Innenhof bleibt weitgehend autofrei. Auch das neben der Alten Brauerei liegende Kontor wird zurzeit renoviert. Dort sollen fünf Gästezimmer entstehen.